| VISUELLE KOMPETENZ ® – Die Kraft der Bilder in Entwicklungsprozessen nutzen ![]() Das Höhlengleichnis in Platons »Politeia« berichtet von den ungeheuren Verääderungen, die in einem Menschen vorgehen, der von seinem bisherigen Platz aufsteht, in seiner Höhle umhergeht und hinter die Wände schaut. Er entdeckt die Quellen des Lichtes und die Ursachen der Schatten, die bislang den Sinn seiner Wahrnehmung ausmachten. Perspektivwechsel! ![]() Als Marc-Joseph Marion de Fresne 1772 seinen Fuß zum ersten Mal auf den Boden Tasmaniens setzte, schreibt er: »Es war, als ob wir unsere Augen zum ersten Mal öffneten, als ob wir den Reichtum der Welt bislang nur durch einen Schleier wahrnehmen konnten.« Neuland! Neue Sehweisen! ![]() Nicephore Niepce gelingt es 1839 zum ersten Mal, ein fotografisch belichtetes Bild zu fixieren. »Wir haben hier eine Methode entdeckt, die der Welt nun ihren wahren Spiegel vorhalten wird!«, schreibt er voller Euphorie. Sichtbar machen! Sichtbar machen Der Visual Coach wendet die Methoden in einer direkten Weise an, indem die Teilnehmer des Prozesses oder er selbst Bilder zu den jeweilige Fragestellungen fotografieren. Die entstandenen Werke werden sofort ausgedruckt und unmittelbar im laufenden Prozess eingesetzt. Der Visual Coach bewirkt also als »Sichtbar-Macher« , dass »tausend Worte ein Bild finden«. In der täglichen Arbeit sind wir mit Worten, Interpretationen und analytischen Betrachtungen häufig überfrachtet, zunehmend aber auch mit einer Unzahl von Bildern. Es geht einem Visual Coach also nicht nur darum, die Kraft der Bilder nutzbar zu machen, sondern auch darum, ein »bewusstes Hinschauen« zu fördern, die Wahrnehmung zu schulen und für neue Perspektiven und Sichtweisen zu sorgen. In unserem Sprachgebrauch sind viele Begriffe zu finden, die die Wirksamkeit unserer eigenen VISUELLEN KOMPETENZ beschreiben: wir nehmen etwas in den Fokus, wechseln die Perspektive, visualisieren eine Lösung, gewinnen Überblick, nehmen etwas in Augenschein und handeln mit Augenmaß. Ein Visual Coach hat die Aufgabe, diese angelegten Fähigkeiten nutzbar zu machen, um neue Wege zu finden und die Sicht auf die Lösung wieder frei zu machen. »Watson, Sie sehen, aber Sie schauen nicht hin!«, bemerkt Sherlock Holmes gegenüber seinem engsten Vertrauten und beschreibt damit einen Zustand, in dem wir uns oft befinden, wenn wir uns unseren Aufgaben widmen: unsere Aufmerksamkeit ist mitunter zu fokussiert auf Gewohntes – oder aber sie ist zu weitschweifig und nimmt deshalb entscheidende Details nicht wahr! Zwei wesentliche Anwendungen sind in der VISUELLEN KOMPETENZ ® zu unterscheiden: Zwar bemerkt der Fuchs in St. Exupérys »Kleinem Prinz« ganz richtig: »Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!« Aber gerade deshalb ist das Sichtbar-Machen mithilfe von Fotografie eine geeignete Methode, die Brücke zu bauen zwischen den inneren und äußeren Bildern. Die inneren Bilder, Erfahrungen und Überzeugungen leiten unser Handeln. Ihre Entsprechungen in äußeren Bildern aber können wie ein Spiegel wirken und somit als Wegweiser zu neuen Lösungen. Diese Wirkung wird im Wesentlichen ermöglicht durch die scheinbare Objektivität von Fotografien. Das Bild an sich aber ist immer nur eine Feststellung, nie eine Wertung! Genau dadurch öffnet es dem Gespräch über seine Inhalte das Tor. Wie wirkt Visuelle Kompetenz ®?
Methoden und Einsatzbereiche der Visuellen Kompetenz ® A) Arbeit mit Fotografien, die von den Teilnehmern aufgenommen werden Nachdem Themen und Fragestellungen mit den Teilnehmern geklärt wurden, erhalten sie Digitalkameras und erstellen in kleinen Teams oder alleine eine festgelegte Anzahl Bilder. Dies kann aufgrund einer präzisen Aufgabenstellung erfolgen oder auch nach freien Assoziationen. Kleine Zeiteinheiten sind sinnvoll. Die Bilder werden dann in Seminarpausen oder parallel zur weiteren Arbeit ausgedruckt. Über verschiedene Methoden der Bildanalyse mit den Teilnehmern werden die Bilder zu aussagekräftigen Bausteinen des Prozesses. Gerade in Projekten mit längerer Laufzeit wirken die Ergebnisse zudem sehr effektiv als »Anker«. Geeignete Einsatzbereiche: Anwendungsbeispiele: Interkulturelle Kommunikation: Führungskräfte im mittleren Management des internationalen Handels stellen ihre unterschiedlichen Sichtweisen (hier: französische und deutsche Blickwinkel) fotografisch dar. Bilder wirken hier als deutliche Brücke, wo Worte ihre Grenzen finden. Ergebnis ist ein erweitertes gegenseitiges Verständnis und eine klarere Kommunikation. ![]() Teamentwicklung: Mitarbeiter eine Betriebes der hochklassigen Gastronomie stellen mit Bildern ihre unterschiedlichen Blickwinkel und den »Blick des Gastes« dar (Eigen-und Fremdwahrnehmung). Speziell im Hinblick auf das Leitbild des Unternehmens entwickeln sie eine gestärkte Fokussierfähigkeit und gegenseitige Wertschätzung (»... jetzt arbeite ich schon so lange hier, aber so habe ich das noch nie gesehen!«) ![]() B) Arbeit mit Fotografien, die vom Visual Coach aufgenommen werden Der Visual Coach dokumentiert hier einen Prozess, indem er exemplarische Situationen der Kommunikation und Interaktion der Teilnehmer fotografiert. Die unmittelbar ausgedruckten Bilder können mit Thesen kombiniert und als Impuls (gegebenenfalls auch als Provokation!) eingesetzt werden. Oder die Teilnehmer wählen gezielt Bilder aus und beschreiben, was sie sehen. Da bei dieser Anwendung die Beteiligten sehr direkt »gespiegelt« werden, ist eine hohe Sensibilität in der Motiv-Auswahl und der anschließenden Arbeit mit den Bildern erforderlich. Die Ergebnisse liefern dafür einen unmittelbaren Einstieg in die anstehenden Themen: Geeignete Einsatzbereiche: Anwendungsbeispiele: Kulturentwicklung: Im heterogenen Kollegium einer Schule gilt es, neue Formen einer konstruktiven Kommunikation zu finden. Während einer Arbeitsitzung dort werden die Interaktionen in den verschiedenen Gruppen vom Visual Coach fotografiert und die Bilder dann als Thesen-Tafeln den Teilnehmern vorgestellt. In einer moderierten Auseinandersetzung über diese Thesen entsteht ein offensiver Austausch über zuvor unklare Positionen. Dies mündet in die konstruktive Planung neuer Arbeitsformen.
Teamentwicklung: Ein Projekt-Team in einem produzierenden Unternehmen absolviert eine zweitägige Klausurtagung, um seine internen Arbeitsstrukturen zu klären. Starke Spannungen erfordern eine sensible Moderation. Der Visual Coach dokumentiert als Co-Trainer ausgewählte Phasen und liefert aussagekräftiges Material, das der leitende Trainer direkt einsetzt. Die Teilnehmer können ihre Aktionen, Reaktionen und Interaktionen wie in einem Spiegel sehen, wodurch Strukturen und Positionen klar herausgearbeitet werden können. ![]() C) Arbeit mit Fotografien, die von den Teilnehmern mitgebracht oder aus einem Bilder-Pool ausgewählt werden. Diese Methode ist gut geeignet für Prozesse, in denen an langfristigen Entwicklungen gearbeitet wird. Die Teilnehmer werden gebeten, Bilder mitzubringen, die für sie wichtige Aussagen zu den aktuellen Themen beinhalten. In kurzfristigen Prozessen können diese Bilder auch aus einem vom Visual Coach mitgebrachten Pool ausgewählt werden. Zu diesen Bildern findet dann eine strukturierte Reflexion statt. Die Teilnehmer lassen über die Bilder sehr viel von sich sichtbar werden, was ihnen alleine durch Worte schwer gefallen wäre. Geeignete Einsatzbereiche: Anwendungsbeispiel: Visionsentwicklung: Eine Gruppe von Führungskräften aus der Finanzwirtschaft erarbeitet in einem Stufenprozess Leitmotive für verschiedene Abteilungen. Die Teilnehmer bringen zu den Terminen jeweils Fotografien aus ihrem persönlichen Bereich oder aus dem Unternehmen mit, durch die ihre Haltung zu den entsprechenden Themen deutlich wird. In gegenseitiger Reflexion klären sich recht schnell die Potenziale, die die Abteilungen einzubringen haben. Über Bild-Collagen werden Leitmotive visualisiert.
D) Biographie-Arbeit mit eigenen Bildern oder Familienalben Sehr personenbezogen werden hier mit Begleitung des Visual Coach Bilder aus der eigenen Geschichte ausgewählt, um wichtige Lebensphasen und Stationen bewusst anzuschauen. Das Zusammenspiel innerer und äußerer Bilder entfaltet hierbei eine große Kraft und führt zu eindrücklichen biographischen Ansichten, die wertvolle Wegweiser für die aktuelle Situation enthalten können. Geeignete Einsatzbereiche: Anwendungsbeispiel: Coaching einer Führungskraft: Eine Führungskraft im gehobenen Management steht vor der Entscheidung, die Leitung einer Entwicklungsabteilung im Ausland zu übernehmen. Dass bisher gleichgestellte Mitarbeiter ihr hierdurch untergeordnet werden, bereitet ihr große Schwierigkeiten. In ihrer Biographie gibt es immer wieder vergleichbare Themen und so bekommt sie die Aufgabe, Bilder in ihrem Familienalbum zu finden, die Hinweise auf diese Muster geben. Anhand dieser und weiterer Bilder entwickelt sich ein lebendiger und sichtbarer Prozess, der Lösungswege aufzeichnet.
E) Arbeit mit inszenierter Fotografie Um die Inhalte komplexer Projekte oder Strukturen zu verdeutlichen, sind Geschichten oft ein geeigneter Weg. Mit den Methoden der VISUELLEN KOMPETENZ ® bedeutet das, Bilder-Geschichten zu inszenieren, die sowohl aus einem Bild (Metapher, Skulptur) bestehen können oder aus einer kompletten »Foto-Story«. In einer kompakten Start-Sequenz wird das Thema als Geschichte aufbereitet, um es dann sofort nach einem Storyboard in Bilder umzusetzen. Die intensive Auseinandersetzung und die schnelle Umsetzung bewirken eine Dynamik, die die Teilnehmer tief in wesentliche Aspekte des Themas hineinbringt. Geeignete Einsatzbereiche: Anwendungsbeispiele: Leitbildentwicklung: Innerhalb des Leitbildprozesses, der von leitenden Führungskräften eines großen Versicherungsunternehmens nach einer Fusion durchgeführt wird, entstehen unter Leitung des Visual Coach Bilder-Geschichten, die die bisherigen Leitsätze zum Thema haben. Daraus entstehen aussagekräftige »Fortsetzungs-Geschichten«, die den konkreten Entwicklungsbedarf klar darstellen.
Kulturentwicklung: Nach der Zusammenlegung zweier großer Schulen befindet sich das große Kollegium in einem kontroversen Kultur-Entwicklungsprozess. Zu den zentralen Themen werden nun Bilder-Geschichten inszeniert, die sowohl den Status Quo als auch die jeweiligen Visionen darstellen. In einer Ausstellung präsentieren sich die Gruppen gegenseitig ihre Geschichten. Daraus entwickeln sich Arbeitsgruppen, die den weiteren Prozess gestalten. ![]() Visuelle Kompetenz ® erfordert Rücksicht Ein wichtiger und nicht zu unterschätzender Aspekt der Arbeit mit der VISUELLEN KOMPETENZ ® ist der Daten- und damit verbundene Personenschutz. Die aufgenommenen Bilder dürfen nie ohne Genehmigung der abgebildeten Personen oder Urheber außerhalb des Prozesses verwendet werden. Die Kraft der Bilder erfordert immer, mit ihnen einen besonders sensiblen Umgang zu pflegen. Eine Schule des Hinschauens Die Flexibilität der Methoden der VISUELLEN KOMPETENZ ® ermöglicht eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten in der Unternehmensentwicklung. Als Visual Coach begleitet ein Trainer Prozesse in einer lebendigen Weise, die reichhaltiges Material für produktive weitere Schritte schafft – und die oft schon ein Bild für die Lösung ermöglicht. In einem Interview forderte der Schriftsteller Wilhelm Genanzino für alle Bereiche der Gesellschaft eine »Schule des Hinschauens«, um die »verschüttete Fähigkeit der Menschen zu wirklichen eigenen Entscheidungen wieder zu fördern«. Die VISUELLE KOMPETENZ ® setzt diese Vision in anwendbare Praxis im Unternehmensalltag um. Burkhard Riegels-Winsauer Quellen: John Berger: »Gegen die Abwertung der Welt«; Sir Arthur Conan-Doyle: »Sherlock Holmes und der blaue Karfunkel«; Wilhelm Genanzino: »Der gedehnte Blick«; Hugo Kükelhaus: »Mit den Sinnen leben«; Beaumont Newhall: »Geschichte der Fotografie«; Antoine St. Exupéry »Der kleine Prinz«; Susan Sontag: »Das Leiden anderer betrachten«. |







