Karl Polanyi: The Great Transformation
Friedrich A. Hayek: Der Weg zur Knechtschaft vorgestellt von Tilman Gutenberg Mit diesen beiden Buchempfehlungen wollen wir Ihnen keine vollständigen Rezensionen oder inhaltlichen Besprechungen liefern, sondern vielmehr zwei moderne Klassiker der Ökonomie ans Herz legen.
Auf der einen Seite Karl Polanyi, der mit »The Great Transformation« nicht nur ein Buch, sondern einen Begriff geschaffen hat, der den durch die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert vonstatten gegangenen gesellschaftlichen Wandel beschreibt. Für Polanyi vor allem die Entstehung von Marktwirtschaften und Nationalstaaten und den damit verbundenen Wechselwirkungen. Daraus ergibt sich für ihn eine Kritik am Kapitalismus: Dessen ausufernder und die Natur wie die Menschen zu Waren degradierender Materialismus beinhaltet eine existenzielle Gefahr, weil er dem Wesen jedweder Gesellschaft entgegenwirkt.
Polanyis »The Great Transformation« datiert auf das Jahr 1944 und zieht seine Schlussfolgerungen aus den Entwicklungen seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Dem Wandel von der Agrargesellschaft, in dem Existenzsicherung und ständischer Kollektivismus vorherrschten, zur Marktorientierung und damit dem individuellen Gewinnstreben, der Entwicklung freier Arbeitsmärkte und weiter dann mit der Entwicklung eines freien Geldmarktes. Polanyi beschreibt den Wandel der integrierten Gesellschaften (in denen die Wirtschaftsordnung eine Funktion der Gesellschaftsordnung ist), hin zu den marktwirtschaftlichen, nicht integrierten (in denen Ökonomie sich losgekoppelt hat von sozialen Anbindungen und mehr und mehr zum Selbstzweck reift). In dieser Entkopplung erklärt sich der soziale Bankrott der Industriegesellschaften. Hayeks »Der Weg zur Knechtschaft« datiert ebenfalls auf das Jahr 1944 und betrachtet die gesellschaftlich aktuellen Vorgänge der Neuzeit, den Faschismus in Deutschland und Italien sowie das totalitäre Regime in der Sowjetunion als die konsequente Weiterentwicklung des Sozialismus, nicht als Reaktion auf den Kapitalismus. Sozialistische Lehre, Zentralsteuerung, Planwirtschaft sind nicht nur der Marktwirtschaft prinzipiell unterlegen, sondern führen notwendigerweise zur gewaltsamen Unterdrückung, selbst wenn diese nicht als Ziel des Sozialismus formuliert ist. Hayek hat später der deutschen sozialen Marktwirtschaft wegen ihrer Regularien sozialistische Tendenzen vorgeworfen. Einig wären sich die Autoren in Anbetracht unserer aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage wahrscheinlich an dem Punkt, dass sich so sicher kein Idealzustand beschreiben lässt. Polanyi sähe sich wohl bestätigt in seinen Kritikpunkten, auch wenn er den Kapitalismus, sofern er nur ordentlich sozial betrieben wird, nicht völlig verdammt hat. Hayek müsste sich fragen lassen, ob die Freiheiten des hochspekulativen Kapitalmarktes seinem Liberalismusbegriff noch entsprechen. Schließlich ergeben sich aus den Folgen des gescheiterten Neoliberalismus einige Zwänge, die mit seinem Freiheitsbegriff nicht in Einklang zu bringen sind.
Deutsch Suhrkamp 2007, 393 Seiten ISBN 3-518-27860-6 Friedrich A. Hayek: Der Weg zur Knechtschaft Deutsch Olzog Verlag 2009, 322 Seiten ISBN 3-789-28262-6 |
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Mit diesen beiden Buchempfehlungen wollen wir Ihnen keine vollständigen Rezensionen oder inhaltlichen Besprechungen liefern, sondern vielmehr zwei moderne Klassiker der Ökonomie ans Herz legen.
Auf der einen Seite Karl Polanyi, der mit »The Great Transformation« nicht nur ein Buch, sondern einen Begriff geschaffen hat, der den durch die Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert vonstatten gegangenen gesellschaftlichen Wandel beschreibt. 