SYNNECTA

Wir und die Anderen - Society Conference 2009

Die Menschen, die am 03. Oktober 2009 ins Bürgerzentrum Südstadt in Karlsruhe gekommen waren, waren denkbar unterschiedlich. An einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit hätten viele von ihnen wohl gar nicht miteinander gesprochen.

Wozu auch? Wir wissen ja alle ganz genau, wie sie so sind, die Anderen. Die Künstlerinnen und Künstler, die in ihrem Elfenbeinturm sitzen und überlegen, womit sie noch schockieren können; die Führungskräfte großer Unternehmen, die sich nur für Gewinn interessieren und schon an der nächsten Krise arbeiten; die Jugendlichen, die den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen und dabei kaum noch lesen und schreiben lernen; und die vielen anderen Anderen auch ...

Seltsam allerdings, dass von den oben beschriebenen Menschen niemand anwesend war bei der Society Conference. Stattdessen kamen zum Beispiel Schülerinnen und Schüler (freiwillig und an einem Feiertag!), die fragten, wie viel Anpassung von ihnen verlangt werden wird, wenn sie nach der Ausbildung einen interessanten Job finden wollen. Wird es Platz geben für ihre individuellen Lebensentwürfe?

Umgekehrt die fast bange Frage an diese Gruppe aus einer nahe gelegenen Schule, ob sie wohl gut vorbereitet werden auf die Anforderungen des Arbeitslebens. Und ist es die Aufgabe von Schule, Menschen zu Arbeitskräften zu erziehen?

Eine spannende Frage auch für einen Vorschulpädagogen, der als einziger Mann in einem sonst weiblichen Team die Herausforderung annimmt, kleinen Jungen als Rollenvorbild und eine von viel zu wenigen männlichen Bezugspersonen zur Verfügung zu stehen. Jungen, von denen er erzählt, sie wären meist zaghafter und unsicherer als die Mädchen im gleichen Alter.

Auf der Bühne neben ihm stehen zwei weibliche Führungskräfte. Wie haben sie es »geschafft« in einer männlichen Unternehmenswelt? Worauf mussten sie dabei verzichten, was haben sie gewonnen?

Die Society Conference lässt sich nicht zusammenfassen. Sie war eine Fülle an Angeboten, Begegnungen, Gesprächen und Verstörungen. Die Veranstaltung war so geplant, dass man stets ein Vielfaches dessen versäumte, was man erleben konnte.

Da war etwa ein islamischer Geistlicher, der über die Frage sprach, wer wie für Integration verantwortlich ist. Ein evangelischer Religionslehrer, der in der Berufsschule die Themen des Lebens aufgreift: Sexualität, Tod, Sinn und vieles mehr. Ehemalige Führungskräfte, die sich in ihrer Rente ehrenamtlich für soziale Projekte einsetzen. Der Chef einer Kommunikationsagentur, der die Frage aufwirft, ob wir nicht noch viel mehr Krise brauchen. Ein junger Mann aus dem Iran, der eigentlich als Bäcker für die Verpflegung der Gäste anwesend war – die Diskussion aber allzu oft wertvoller fand, als auf seine Auslage zu achten.

Sie alle und viele mehr trafen aufeinander. Die Gespräche waren unterschiedlich wie die Menschen, aber immer sehr intensiv. Es gab mehr Fragen als Antworten. Unterschiede wurden besprechbar gemacht und Gemeinsamkeiten sichtbar. Denn die Anderen sind tatsächlich anders, aber sie sind auch anders als wir denken. Über den gewohnten Tellerrand hinaus zu blicken und ins Gespräch zu kommen zahlt sich aus, auch und gerade für Unternehmen.

 
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