Lernen auf der Corporate Conference?
Corporate Conferences zu gestalten, ist eine Herausforderung. Sie sind – natürlich – unverzichtbare Elemente in der Kommunikation zwischen dem Top Management und den Führungskräften. Sie schaffen ein Forum für die gezielte Information von Führungskräften und produzieren eine gemeinsame Ausgangsbasis und einen emotionalen Anker für einen langen Zeitraum.
Die Stärke der Corporate Conferences ist auch ihre Schwäche. Der hohe Informationsgehalt schlägt sich zu oft in einer ausgeprägten Einweg-Kommunikation nieder. Die Musik spielt vorne, und das Publikum hat nur wenig Möglichkeiten, seine eigene Meinung zu äußern.
Das ist kein Zufall, sondern liegt an der Konstruktion der Konferenzen. Sie sind ein Informationsmedium, keine Großgruppenveranstaltung zur Strategiefindung. Die damit verbundene Informationslastigkeit verhindert Mitgestaltungsansätze. Eingebaute Elemente, die existierende Entscheidungen des Managements aufnehmen und Teilnehmer beteiligen sollen (z. B. kleine Workshops), wirken oft aufgesetzt und wecken Erwartungen, die anschließend nicht erfüllt werden können.
Angesichts der Schwierigkeiten stellen sich drei Fragen für die Dramaturgie der Coroprate Conference:
- Wie kann die notwendige Informationsvermittlung als Zwei-Wege-Kommunikation gestaltet werden?
- Wie kann die Konferenz zu einem tragenden emotionalen Anker werden, der Gemeinsamkeit und eine einheitliche Ausrichtung produziert?
- Wie kann die Konferenz von aufgesetzten Entscheidungselementen entlastet werden?
Eine praktische (und erfolgreiche) Antwort auf die Fragen gibt die Kombination von Corporate Conferences mit Lernelementen.
Wir greifen dabei den Informationsteil der Konferenz auf und gestalten ihn zusammen mit den Kunden interaktiv und kreativ. Dabei verwenden wir Methoden aus Großgruppendramaturgien (z. B. das World Cafe), aber auch Interviews, Fishbowl, Messen/Ausstellungen und klassische Kleingruppenarbeiten. Wir gestalten auch den Raum, die Bühne und die Austellungselemente so, dass inhaltliche Geschlossenheit sichtbar wird.
Die Unterschiede zu normalen Corporate Conferences liegen dabei in der Planung und Inszenierung der Veranstaltung. Eine intensive Vorbereitung aller Sprecher auf die Veranstaltung stellt sicher, dass alle Informationsteile aufeinander abgestimmt sind und für die Teilnehmer ein roter Faden in der Veranstaltung sichtbar wird.
Die Dialoge sind so abgestimmt, dass getroffene Entscheidungen respektiert werden können und die Teilnehmer sich mit der Verarbeitung und Umsetzung der Informationen beschäftigen. Das Top Management bekommt durch die Interaktion mit den Teilnehmern klare und deutliche Rückmeldungen über die Akzeptanz und Umsetzbarkeit ihrer Entscheidungen, ohne dass endlose To-Do-Listen entstehen, die anschließend bearbeitet werden wollen. Eine stimmige, dennoch positiv emotionale Verankerung entsteht über den roten Faden, die Rückmeldungen an die Entscheidungsträger und die Auseinandersetzung mit den Informationen.
Zusätzlich zur Steuerung der Interaktion vertrauen wir auf Lernsequenzen, die in die Veranstaltung eingebettet werden. Das Thema der Lerneinheiten ist sorgfältig mit den Informationsteilen abgestimmt.
So haben wir z. B. für einen Kunden eine Veranstaltung durchgeführt, die neben der Informationsvermittlung den Schwerpunkt »Umsetzung« hatte, da mangelhafte Umsetzung intern als eine der größten Schwächen identifiziert wurde. Neben der Informationsweitergabe wurde in der Veranstaltung über die Erwartungen des Managements, die Schwierigkeit der Adressaten bei der Umsetzung und über das »How To« der Umsetzung nachgedacht.
Die Lerneinheiten wurden bewusst kurz gehalten (90 Minuten) und in acht Gruppen parallelisiert. Es nahmen max. 15 Teilnehmer an einer Lerneinheit teil. Insgesamt fanden vier Runden statt, so dass theoretisch 8 x 4 = 24 Themen abgedeckt werden konnten. Die Auswahl der Themen und die Gestaltung der Lerneinheiten war im Vorfeld sorgfältig mit dem roten Faden der Veranstaltung abgestimmt worden. Die Rückmeldungen waren extrem positiv und die interne PE/OE konnte an vielen Stellen mit weiteren Ideen und Maßnahmen anknüpfen.
Die Kombination von Zielsetzung im Informationsteil, Erwartungsklärung in der Interaktion und Lernen lässt eine Veranstaltung mit einer ausgeprägten emotionalen Dynamik entstehen, die sich wohltuend von anderen Formen abhebt. Teilnehmer habe entwickeln das Gefühl an einer Veranstaltung teilzunehmen, auf der sie nicht nur mit Informationen und Erwartungen bombardiert werden, sondern in der sie zugleich konkret und praktische Unterstützung bei der Umsetzung bekommen. |